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"Team Trenox" erhielt in Finnland die Bestnote

Foto: Kalevi Ekman, Aalto University
Foto: Kalevi Ekman, Aalto University

[05|06|2020]

Product Development Project 2019-2020 an der Aalto University erfolgreich abgeschlossen

 

Das Modul Produkt Development Project (PdP) aus dem Master Mechatronik ermöglicht über zwei Semester hinweg immer fünf Studierenden aus München an der Aalto University in Finnland gemeinsam mit finnischen Studierenden an einem realen Projekt aus der Industrie zu arbeiten. Während des Kurses bilden die Studierenden aus den Bereichen Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Design Teams nach komplementären Fähigkeiten und arbeiten an einem einjährigen Projekt ihrer Wahl zusammen. Unternehmen aus verschiedenen Branchen stellen den Teams Aufgaben und sponsern die Projekte, die dann von den Studierenden über zwei Semester hinweg entwickelt werden. Im vergangen September sind fünf Münchener Studierende zur Auftaktwoche nach Finnland geflogen, finanziell unterstützt durch den Industriellen Beirat des Masterstudienganges. Betreut wird dieses Modul auf Seiten der Fakultät durch Prof. Dr.Eggers, auf Seiten der finnischen Universität von Prof. Dr. Kalevi Ekman.

 

Jetzt haben sie gemeinsam mit den finnischen Teampartnern das Projekt abgeschlossen, ihren Abschlussbericht zum Projekt vorgelegt und dafür die in Finnland geltende Bestnote „5“ erreicht. Außerdem führte dieses in seinen Dimensionen ungewöhnliche Projekt zu einer Veröffentlichung im finnischen „metal technology magazin“. Denn das Team aus finnischen und Münchner Studierenden hatte sich für die Entwicklung einer mobilen Maschine für Trenox - für das großflächige Drehen von Baumaterialien - entschieden.

 

Beeindruckende Dimensionen

 

Trenox, ein finnisches Unternehmen, das sich auf Turmdrehkrähne spezialisiert hat, stellte eine große Herausforderung an das deutsch-finnische Studierendenteam: sie sollten eine Maschine entwickeln, die große Wandelemente auf einer Baustelle drehen kann. Beim Bau von Gebäuden werden Elemente auf der Baustelle montiert und große Komponenten, die für große Räume zur Unterstützung einer hohen Decke erforderlich sind, horizontal transportiert. Sie werden dann vor Ort in eine vertikale Position gedreht, was die Zeit und das Können von zwei Kranführern erfordert.

 

Diese großen Elemente müssen bisher in der Regel mit zwei Kränen auf den Baustellen für den Zusammenbau in die richtige Position gebracht werden. Das ist aufwendig, langwierig und teuer und genau hier setze die Überlegung des deutsch-finnischen Studierendenteams an. Sie machten sich an die Entwicklung einer mobilen Maschine zum Drehen der Elemente, die auf einem Ladewagen zur Baustelle fahren kann und über eine leistungsstarke Hydraulik verfügen sollte, die Elemente drehen kann, die bis zu acht Meter lang und bis zu 20 Tonnen schwer sind.

 

Der Entwurfsprozess begann mit der Ermittlung der Anforderungen für die verschiedenen Subsysteme. Alle notwendige Komponenten und Subsysteme wurden entworfen und simuliert sowie frühzeitig Prototypen als 3D-Modelle gedruckt. Die Modelle waren ein wertvolles Werkzeug bei der Vermittlung des beabsichtigten Designs für den Sponsor sowie eine enorme Hilfe bei der Anpassung des Designs vom frühen Konzept bis zum Prototyp. Dabei hatten die Studierenden von Anfang an das ehrgeizige Ziel, einen 1: 1 Prototyp als Arbeit abzuliefern.

 

Der von ihnen entwickelte Prototyp ist funkgesteuert und verfügt über ein Spannsystem, das das Bauelement hält. Alle Funktionen der Maschine bewegen sich mit hydraulischen Aktuatoren, und ein Dieselgenerator treibt die Maschine an. Zur Vorbereitung der Elemente und zum Anbringen von Hebeketten sind zwei Arbeitsbühnen integriert. Das Team musste Lösungen entwickeln, die unter Berücksichtigung strenger Sicherheitsanforderungen hergestellt werden können.

 

Bild vom Aufbau des Protoypen in Finnland, Foto Hilmi Yildirim
Bild vom Aufbau des Protoypen in Finnland, Foto Hilmi Yildirim

Dabei war das Projekt von an Anfang an besonders, nicht nur wegen der Größe des Prototypen, der entstehen sollte: In der ersten Woche in Finnland lernte sich nicht nur das Team untereinander kennen sondern auch die Geschäftsführung und das für dieses Projekt zuständige Team bei Trenox.

 

Zum Projekteinstieg mussten die Studierenden gleich einen ganzen Tag lang ein „Mini“-Projekt aus Holz fertigen. Es wurden in dieser Woche verschiedene Kurse absolviert, wie man zum Beispiel in einem Team richtig kommuniziert, eine Analyse macht, Projektmanagement und zum Ende der Auftaktwoche gab es natürlich auch eine Party in der, wie die finnischen Studierenden sagten, man aus seiner Komfortzone rauskommen sollte. Die Finnen nannten es Mystery Eve. Die Münchener ließen sich da nichts nachsagen und brachten singend und tanzend einen zünftigen Wiesn-Hit auf die Bühne.

 

Da dieses Projekt mit Tennox im wahrsten Sinne so groß war, im Vergleich zu den anderen Studierendenteams, sollten die Münchener ein zweites Mal nach Finnland kommen, um beim Aufbau zu helfen. Leider klappte dass dann nur für zwei, die anderen Studierenden sollten zu einem späteren Zeitpunkt gehen und mussten das Coronabedingt aufgeben. Die beiden arbeiteten in der Woche in Finnland Vollzeit am Projekt. Die Kosten wurden aus dem Projektbudget bezahlt. Die anfallenden Ausgaben der ersten Woche wurden von Industriellen Beirat des Masterstudienganges beigesteuert und die Kosten für die weiteren Aufenthalte wurden von der Aalto Universität übernommen und dann gab es natürlich auch eine Kostenübernahme seitens Trenox.

 

Bild vom Prototyp; Foto Kalevi Ekmann, Aalto University
Bild vom Prototyp; Foto Kalevi Ekmann, Aalto University

 

Dabei war die Kommunikation während des Projekts immer wieder nicht ganz einfach, insbesondere weil sie eine Mischung aus Face-to-Face und Internet sein musste, trotzdem ziehen die Studierenden das Fazit: „dieses Studierendenprojekt ist etwas Besonderes, da es die internationale Arbeit an einer echten Entwicklung beinhaltet. Wir haben uns daran gewöhnt, während der Arbeit nicht unsere Muttersprache zu sprechen und unser Englisch verbessert. Außerdem haben wir gelernt, unsere virtuellen Meetings zu organisieren und Informationen auszutauschen.“

 

Die Verantwortlichen in der Aalto University hoffen derzeit, alle aktuellen Teilnehmenden noch zu einer Abschlussveranstaltung im September 2020 einladen zu können. Darüber hinaus haben sie aber noch nicht mit der Planung des nächsten PDP begonnen.

 

Hilmi Yildirim, Kathrin Resch